Evangelische Kirche
Harxheim / Gau-Bischofsheim

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Harxheimer ev. Kirche

Gemeindebriefe      

Gemeindebrief 2/2017
Juni bis August 2017




„... Und er (=Martin Luther) ergriff das Tintenfass und warf es nach dem Teufel, dass er ihn vertriebe.“

 

So heißt es in der Legende. Nach ihr hat Martin Luther, als Junker Jörg auf der Wartburg untergetaucht, beim Übersetzen der Bibel ins Deutsche den Teufel, der ihn dabei störte, vertrieben. Den Tintenfleck sehen, das wollten die Besucher, die auf Luthers Spuren die Wartburg besuchten. Bis vor gut 100 Jahren
wurde ein Fleck auch immer dargeboten
und nachgebessert. Wie es damals 1521
wirklich war? Wir wissen es nicht. Luther hat dazu nichts gesagt. Aber vorstellen können wir uns das schon, schließlich hatte er ein impulsives Temperament. Und auch die Angst vor dem Teufel war in ihm lebendig. Vielleicht hat man ihn aber auch nur zu wörtlich genommen, denn wirklich gesagt hat Luther, dass er den Teufel mit Tinte vertrieben hat –und meint damit seine Schriften, die er ja mit Tinte geschrieben hat. „Wie auch immer…“ Den Teufel –wie altmodisch!- gibt es heute nicht mehr, oder?


Gut, so wie Luther ihn verstanden hat,so sehen wir das heute nicht mehr. Aber wenn Ängste uns überfallen, Traurigkeit, depressive Stimmungen, wir an allem zweifeln, uns vor Sorgen verrückt machen–das kennen wir auch. Mancher nur zu gut. Schön ist anders. Sich dann des Lebens freuen, sich als Gottes geliebtes Kind geborgen fühlen, das klappt dann nicht. Wo kommt so etwas her? Oft weiß man das nicht so genau. Für Luther war klar: Das kommt vom Teufel. Der nämlich will uns die Freude am Leben vermiesen.
Wie es im Psalm 23 heißt: „Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.“ Das ist all das, was mein Lebensglück bedroht. Das darf nicht näher kommen. Gott hält es auf Abstand. Lass es toben. Gott ist stärker. Er bewirtet uns und schenkt uns voll ein –vom Besten! Und spricht sein Machtwort: „Lasst sie,las st ihn, meine geliebten Kinder, in Ruhe!“

Und was machen Sie, wenn Sie so etwas bedroht und Sie drohen in einem Loch zu versinken? Schreiben, also Tinte, ist oft gut: Tagebuch schreiben, einen Brief schreiben. Oder etwas Geschriebenes lesen, das einen tröstet, aufmuntert, die Fantasie fliegen lässt. Bewegung tut auch gut –spazieren gehen, Sport, Gartenarbeit. Telefonieren, mit einem geliebten Menschen reden. Singen, Musik hören –Musik kann uns in andere Stimmungen
bringen. So etwas Impulsives tun wie Luther, das könnte auch helfen.
Schreien? Etwas zerdeppern? Holzhacken? Manchmal muss einfach auch mal
was raus, muss man sich mit einem Ruck von etwas freimachen, es verscheuchen. „Weg da! Hau ab! Lass mich in Ruhe. Du darfst gar nicht dichter ran. Ich gehöre zu Jesus. Der ist stärker. Mein Leben verdirbst
du mir nicht!“
In diesem Sinne!

Ihr Pfarrer Stephan Sunnus


Zum Titelbild:

Ich frage Sie: wie male ich einen Tintenklecks an der Lutherstubenwand der
Wartburg, der von dem Wurf eines Tintenfasses herrührt und der heute allenfalls
nur im inneren Auge existiert?

 

Kurz: ich nehme meinen mir vertrauten
Pinsel zur Hand und phantasiere in freier Manier. Vielleicht hat der Klecks so
ausgesehen, jedenfalls ist es aber ein Kunstprodukt. Nehmen Sie also meine
Wahrnehmung von einem Klecks, wie er ist oder wie er sein könnte. Dass sich
hier – für den Gemeindebrief etwas ungewöhnlich – ein in moderner Darstellungsform aufgefasstes abstraktes Bild dem Auge darbietet, daran wird sich der Betrachter unschwer gewöhnen, des bin ich ganz gewiss.

 

Gerhard Hust


 


Titelbilder zu den Gemeindebriefen - gemalt von G. Hust

  Segnender ChirstusGb 09/2015 Maria Magdalena  Johannes der Täufer
 

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